Geschichte Filmakademie

28. Juli 2008 - 23:00

Während den Solothurner Filmtagen 2007 hat Nicolas Bideau verkündet, dass er den Schweizer Filmpreis künftig mit dem Akademie-System bestimmen möchte. Im April 2007 ist es deshalb zu einem Treffen zwischen dem Sektionschef und Cinésuisse gekommen. Cinésuisse hat sich bereit erklärt, ein Projekt auszuarbeiten, hat aber schon zu diesem Zeitpunkt darauf hingewiesen, dass es an der Sektion Film liege, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen abzuklären. Cinésuisse hat nach dieser Sitzung eine Arbeitsgruppe einberufen, welche die Aufgabe hatte, das Projekt „Schweizer Filmakademie“ auszuarbeiten. Dieser Projektentwurf wurde im Oktober von der Mitgliederversammlung Cinésuisse einstimmig verabschiedet. Nach einigen Bereinigungen des Dossiers wurden die Unterlagen der Sektion Film ebenso wie der SRG SSR Ende Dezember 2007 zugestellt. Gleichzeitig wurden Leute für den Akademie-Vorstand angefragt.

Nicht nur in Pressemitteilungen und an Medienorientierungen – etwa am 23. Januar in Solothurn in Anwesenheit vom Chef der Sektion Film, von Armin Walpen, den Vertretern der Cinésuisse/Filmakademie, Swiss Films und den Solothurner Filmtagen – hat Nicolas Bideau verlauten lassen, dass ab 2009 die Filmakademie das Nominationsverfahren durchführen soll. Dies hat er auch gegenüber seinen Partnern bei der Durchführung des Schweizer Filmpreises im Sommer 2007 schriftlich festgehalten.

Für den 13. Mai 2008 war eine weitere Sitzung abgemacht, an welcher die letzten Details geklärt werden sollten, damit die Filmakademie die Arbeit aufnehmen kann. Aus diesem Grund wurden Nicolas Bideau am 9. Mai nochmals die definitiven Statuten und das Nominationsregelement zugestellt; die wesentlichen Punkte wurden seit dem 20. Dezember 2007 nicht verändert. An dieser Sitzung erläuterte der Sektionschef den Anwesenden von Cinésuisse und den Solothurner Filmtagen, dass alles aufgrund rechtlicher, politischer und finanzieller Probleme nun ganz anders sei. Für die Anwesenden waren die Argumente nicht nachvollziehbar, sie mussten sich vielmehr fragen, weshalb er sich plötzlich hinter fadenscheinigen und vorgeschobenen Argumenten versteckt und weshalb die Filmakademie für den Schweizer Filmpreis 2009 nicht wie vorgesehen die Nominationen vornehmen soll. Auch blieb die Frage unbeantwortet, weshalb diese Erkenntnis erst jetzt auftaucht. Die Arbeiten an der Schweizer Filmakademie wären anders vorangetrieben worden, wenn die Branche recht- und frühzeitig die Vorbehalte des BAK gekannt hätte.

Die Mitgliederverbände von Cinésuisse entschieden am 27. Mai, trotz dieser Kehrtwende, respektive dem immer noch ausstehenden Entscheid der Sektion Film, die Akademie zu gründen und weiter zu verhandeln, um Lösungen für die Akademie und für den Filmpreis 2009 zu finden. Schliesslich fand am 6. Juni ein Treffen zwischen den Vertretern von Cinésuisse/Filmakademie und Jean-Frédéric Jauslin, Direktor BAK, und Nicolas Bideau statt. Als Beobachter war Adrian Marthaler für die SRG SSR anwesend, die sich bereit erklärt hat, für die nächsten drei Jahre die Filmpreisgala in Luzern durchzuführen. Von Seiten des BAK wurden nochmals rechtliche und finanzielle Vorbehalte angebracht. Aber es wurde auch mit dem neuen Kulturfördergesetz argumentiert, mit welchem der Bund eine neue „Preispolitik“ verfolgen wolle (obwohl das Kulturförderungsgesetz nichts mit dem Filmgesetz zu tun hat!). Schliesslich entschied Jean-Frédéric Jauslin, dass er für den Filmpreis 2009 alle Risiken ausschliessen wolle und das bisherige Verfahren mit einer Nominationskommission zum Zuge kommen würde. Er sicherte aber zu, dass die Schweizer Filmakademie ab 2010 den Schweizer Filmpreis «Quartz» haben könne, dann aber selber für die Finanzierung (inklusive der Nominationsprämien) zuständig sei, – der Bund könne dann allenfalls noch einen Minderheitsbeitrag leisten.

Was nun? Die Schweizer Filmakademie hätte schon jetzt 30 % Eigenmittel für den Nominierungsprozess generiert und natürlich einen erheblichen Teil an ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Das Geld für den Schweizer Filmpreis «Quartz» (Nominationsprämien, Betreiben der Akademie etc.) ist ohne Bundeshilfe kaum von privater Seite zu finden. Sponsoren sind nicht an Deckungsbeiträgen interessiert sondern an „Events“ für ihre möglichen Kundenanlässe. Und mit der von der SRG SSR organisierten und ausgestrahlten Filmpreisgala sind für die Suche nach Sponsorenpartner – nicht zuletzt wegen dem Radio- und Fernsehgesetz – sehr enge Grenzen gesetzt. Fällt die Bundeshilfe für den Schweizer Filmpreis «Quartz» aus, wird man auch gegenüber der SRG SSR wortbrüchig, die die Fernsehgala (Preisverleihung im KKL) für die nächsten drei Jahre fest zugesagt hat. Bisher konnte die Akademie auch gar noch nicht auf die Suche nach weiteren Mitteln gehen, da die Entscheide des BAK ausstanden. Wobei es auch zur Mitfinanzierung des Nominationsprozederes mündliche Zusicherungen durch Nicolas Bideau gab, was er nun aber in Frage stellt. Ganz abgesehen von der Filmakademie würde es die Branche nicht verstehen, wenn diese Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen, war sie doch im Jahr 2002 schweren Herzens bereit, die Qualitätsprämie zu Gunsten von Nominationsgeldern beim Schweizer Filmpreis aufzugeben.

An der zweiten Versammlung der Gründerverbände der Schweizer Filmakademie vom 24. Juni 2008 bekräftigten die Anwesenden einstimmig ihren Willen, wie geplant bereits ab 2009 das Nominationsverfahren für den Schweizer Filmpreis durchzuführen. Sie entschieden auch, die Vorbereitungen dafür weiter voranzutreiben und verlangen vom Bundesamt für Kultur, seine öffentlich kommunizierten Versprechungen einzuhalten. Der Vorstand der von Filmpreisträger Fredi M. Murer präsidierten Filmakademie ist gewählt, die Vorstandsmitglieder sind die Regisseur/innen Fulvio Bernasconi (TI), Jean-Stéphane Bron (VD), Stefan Haupt (ZH), Patricia Plattner (GE), der Regisseur und Produzent Samir (ZH), der Schauspieler Gilles Tschudi (ZH/GE), der Produzent Peter Beck (ZH), die Verleiherin Bea Cuttat (ZH), die Kinofrau Romy Gysin (BS) sowie der Direktor der Solothurner Filmtage Ivo Kummer. Als Generalsekretärin der Akademie wurde Jris Bischof gewählt. Die erste Versammlung der Akademiemitglieder findet am 7. August anlässlich des internationalen Filmfestivals in Locarno statt.

In der Zwischenzeit wurde dem Bundesamt für Kultur nochmals schriftlich zugesichert, dass die Schweizer Filmakademie weiterhin gewillt und bereit ist, die Nominationen für den Schweizer Filmpreis 2009 vorzunehmen. Die Sektion Film hat ein Treffen zugesichert, welches noch vor den Sommerferien stattfinden soll. Am Freitag, 27. Juni wurden die Einladungsbriefe zur Mitgliedschaft in der Filmakademie versandt, nach den Kriterien, die von der Cinésuisse-Arbeitsgruppe und von der Mitgliederversammlung Cinésuisse im Oktober 2007 festgelegt wurden. Nun zeichnet sich ein Kompromiss mit der Sektion Film für das Übergangsjahr 2009 ab, so dass die Filmakademie ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Die letzten Details werden aktuell mit der Sektion Film bereinigt, so dass der Kompromiss am 7. August der Mitgliederversammlung unterbreitet werden kann. Die erste Mitgliederversammlung findet wie angekündigt am 7. August im Restaurant Stella d’Italia in Locarno statt und beginnt um 11.20 Uhr bis ca. 13.45 Uhr.