Medieninformation der Schweizer Filmakademie vom 20. Januar 2009 in Solothurn:

20. Januar 2009 - 17:19

Begrüssung und Einleitung durch Fredi M. Murer, Präsident Schweizer Filmakademie.

Meine Damen und Herren

Im Namen des Vorstandes der «Schweizer Filmakademie» begrüsse ich alle Anwesenden sehr herzlich zur heutigen Medienorientierung. Allen voran natürlich die Medienschaffenden, denn ohne Sie würden die Existenz unseres Vereins (und vor allem dessen Sinn und Zweck) der Öffentlichkeit wohl verborgen bleiben.

Vorweg eine ganz kurze Begriffsklärung: Immer wieder treffe ich Leute, die Akademie mit Akademie verwechseln. Die «Schweizer Filmakademie» bildet also definitiv keine Filmfachleute aus, sondern hat nur das Ziel: Filme inhaltlich und qualitativ zu beurteilen, die das Label «Schweizer Film» tragen.

Ähnlichkeiten mit der hollywoodschen «Filmäkädemy» sind nicht ganz zufällig. Nur gibt es bei uns Quarz-Trophäen, statt Oskars und statt bloss Ruhm und Ehre auch noch Preisgelder für die Nominationen. Letzteres beizubehalten ist zumindest unsere Hoffnung, nein unser Credo! Aber darauf komme ich noch zurück. Die Idee einer «Schweizer Filmakademie» geisterte schon seit Jahre in diversen Köpfen unserer Filmbranche herum. Genau vor einem Jahr, haben hier in Solothurn an einer Medienorientierung alle relevanten Akteure der Filmbranche hochoffiziell verkündetet, dass diese «Filmakademie» nun endlich gründet werden soll.

Wir dachten, dies sei eine Sache von drei, vier Sitzungen. Aber es kam anders. Ein volles Jahr intensive Arbeit war die Folge. Und geleistet wurde diese Arbeit vor allem vom Vorstand und der von ihm gewählten Generalsekretärin, Jris Bischof. Dazu kamen unzählige ehrenamtliche Stunden von zugewandten Orten. Ohne diese engagierte Begeisterung wäre das nun vorliegende Akademie-Verfahren niemals Realität geworden.

Beim «Schweizer Filmpreis» 2009 handelt es sich um ein so genanntes Übergangsjahr. Die Verantwortung dafür liegt noch voll und ganz beim Bundesamt für Kultur (BAK), aber das Nominations-Verfahren wurde bereits durch die Interims-Akademie durchgeführt. Dieser Testlauf für ist für uns sehr erfolgreich verlaufen, sodass uns für die Jahre ab 2010 eigentlich nur noch der Segen des BAK-Direktors, Jean-Frédéric Jauslin, und des Chefs der Sektion Film, Nicolas Bideau, fehlt.

Den Segen zu was genau?

  1. Zur Übertragung des Nominations- und Jurierungs-Verfahrens an die «Schweizer Filmakademie». Und:
  2. Die Sicherstellung der Nominationsgelder für den «Schweizer Filmpreis» ab dem Jahr 2010 von je 450'000.- Franken. Also gleich viel wie bisher. Plus einen Betriebs- oder Sockelbeitrag an die «Schweizer Filmakademie».

Diese stolze Preis-Summe von 450'000 Franken, mit der das Bundesamt für Kultur schon bisher das qualitative Filmschaffen (in der Schweiz) ausgezeichnet hat, muss nach Meinung des Akademie-Vorstandes unbedingt auch künftig an die nominierten Filme, bzw. an die Gewinner und Gewinnerinnen der verschiedenen Kategorien entrichtet werden.

Denn diese Preisgelder, die übrigens aus dem Topf der Produktionsförderung stammen, haben sich als eine gute und auch sehr motivierende Investition in unser einheimisches Filmschaffen erwiesen, die in verschiedensten Formen wieder in neue Filme zurückfliessen. Persönlich finde ich. dass ein so aufwändiges Nominationsverfahren für einen «Schweizer Filmpreis» ohne Preisgeld, sich kaum rechtfertigen.

Ruhm & Ehre, und Quarze & roter Teppich in Ehren, aber ich frage Sie, wie gross das Ansehen eines Nobelpreises wäre, wenn dessen Preissumme aus NULL (Schwedischen Kronen) bestehen würde. Oder etwas realitätsnaher gesagt: Jeder Schimpanse, der im Zirkus Saltos macht, braucht ab und zu eine Banane. Nein zwei: eine aus Kunststoff zum Aufstellen, und eine zum Essen.

Im Zusammenhang mit der Gründung der «Schweizer Filmakademie», die auf gut-schweizerisch eigentlich auch «Schweizer Film-Landsgemeinde» genannt werden könnte, habe ich (als Präsident) im Laufe des vergangenen Jahres sehr erfreuliche Erfahrungen und ermutigende Beobachtungen machen können:

  • Selten herrschte in unserer Filmbranche so grosse Solidarität und Einigkeit.
  • Als Vorstand vertreten wir inzwischen schon rund 250 Akademie-Mitglieder, quer durch die gesamte Branche. Und sie alle haben durch die Bezahlung ihrer Mitgliederbeiträge von 200 Franken ihr Engagement und vor allem auch ihr Bedürfnis manifestierten, mit ihrer Stimme die besten Filme, das beste Drehbuch, die beste Hauptdarstellerin, etc. zu küren. Mit dem schönen Nebeneffekt übrigens, dass endlich wieder alle einen guten Grund haben, auch die Filme ihrer Kollegen und Kolleginnen anzuschauen.
  • Neben der ideellen Solidarität fehlte es auch nicht an der finanziellen Unterstützung. Allein die Mitgliederbeiträge steuerten 50’000.- zur Filmakademie bei. Dazu haben auch die diversen Fachverbände unsere Gründungsarbeit mit teils ansehnlichen Beträgen unterstützt. Und viele Einzelpersonen oder Firmen leisteten ihre Mitarbeit oder Dienstleistungen honorarlos oder zum Selbstkostenpreis. Ihnen allen sei hier herzlich gedankt.

Abschliessend noch folgendes:

Wir von der «Filmakademie» teilen die Meinung des BAK, dass der Förderer von Filmen nicht gleichzeitig die geförderten Filme selber auszeichnen sollte.

Unser erklärtes Ziel (und somit die eigentliche Kernkompetenz der «Filmakademie»), ist einzig und allein die Organisation und Durchführung der jährlichen Nomination- und Jurierung der zu prämierenden Filme.

Die Organisation und Durchführung der GALA-Feierlichkeiten rund um die Verleihung des «Schweizer Filmpreises» hingegen, oder gar deren Finanzierung, ist ganz klar nicht unsere Sache.

Das Label «Schweizer Filmpreis» ist und bleibt die Sache des Bundes. Mit der Prämierung der besten Filme - und mit der entsprechenden der Preissumme - bekundet er wie bisher sein kulturelles, finanzielles und gesellschaftspolitisches Engagement gegenüber dem Schweizerischen Filmschaffen, was auch nach aussen so kommuniziert werden soll. Damit bekennt sich der Bund für ein kreatives, lebendiges, einheimisches Filmschaffen.

Fredi M. Murer, Präsident Schweizer Filmakademie
Solothurn, 20. Januar 2008


Schweizer Filmakademie

Am 27. Mai 2008 gründeten die Branchenverbände die Schweizer Filmakademie. Am 7. August 2008 fand die erste sehr gut besuchte Mitgliederversammlung statt. Zu Beginn zählte die Akademie rund 250 Mitglieder. Angestrebt wird eine möglichst autonome, politisch unabhängige Akademie, welche für das ganze Prozedere rund um den Filmpreis verantwortlich zeichnet und in der nationalen Filmbranche breit abgestützt ist. Die Vergabe des Filmpreises 2009 erfolgt als Übergangslösung aufgrund eines Kompromisses mit der Sektion Film des Bundesamt für Kultur (BAK) und in einem mehrstufigen Verfahren: Die Mitglieder der Schweizer Filmakademie geben zu Handen der Nominationskommission, welche aus Akademiemitgliedern zusammengesetzt ist, Nominationsempfehlungen ab. Dies ermöglicht, das Akademie-Verfahren zu testen und Erfahrungen mit der geschlossenen VoD-Plattform und dem Online-Voting zu sammeln. Die Preisträger werden von einer Jury auserkoren. Ab 2010 ist geplant, dass die Filmakademie die Verantwortung für das gesamte Prozedere übernimmt. Aktuell sind die Verhandlungen zur Übertragung des Nominationsverfahren vom BAK an die Akademie noch nicht abgeschlossen aber wir alle sind zuversichtlich.


Für Fragen zum Nominationsverfahren durch die Filmakademie für den Filmpreis 2009 und zur Schweizer Filmakademie selbst wenden Sie sich bitte an die Generalsekretärin, Jris Bischof (079 370 91 07).

Für Fragen zum künftigen Organisationsmodell «CH-Filmpreis Projektmanagement GmbH» wenden Sie sich bitte an (auf Wunsch können wir Ihnen die Präsentation zum Modell zustellen):

  • Ivo Kummer, Direktor der Solothurner Filmtage (079 251 22 40)
  • Nicolas Bideau, Chef der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (079 667 69 15)
  • Roger Chevallaz, Rechtskonsulent der Schweizer Filmakademie (079 376 83 03)
  • Daniel Steiner, Mediensprecher der SRG SSR idée suisse (079 827 00 66)