Schweizer Filmpreis: Filmakademie will ab 2009 nominieren

24. Juni 2008 - 12:49

Die am 27. Mai 2008 gegründete Schweizer Filmakademie bekräftigt ihren Willen, wie geplant bereits ab 2009 das Nominationsverfahren für den Schweizer Filmpreis durchzuführen. Die Gründerversammlung der Schweizer Filmakademie entschied an ihrer Versammlung vom 24. Juni, die Vorbereitungen dafür weiter voranzutreiben und verlangt vom Bundesamt für Kultur, seine öffentlich kommunizierten Versprechungen einzuhalten. Der Vorstand der von Filmpreisträger Fredi M. Murer präsidierten Filmakademie ist gewählt; die erste Versammlung der Akademiemitglieder findet am 7. August in Locarno statt.

Das bisherige Nominationsverfahren durch eine neunköpfige Kommission ist schon lange in Frage gestellt. Die Vorteile der Filmakademie gegenüber dem bisherigen, wenig transparenten Verfahren liegen auf der Hand: Durch ihre breite Abstützung auf die rund 200 Mitglieder – Fachleute aus allen Bereichen der Filmszene – haben die Nominationen eine grosse Legitimität. Die notariell beglaubigte, demokratische Abstimmung ist objektiv und überprüfbar.

Die juristischen, politischen und zeitlichen Gründe, welche das Bundesamt für Kultur Anfang Juni angeführt hat, um die Einsetzung der Akademie zu verschieben, sind nicht stichhaltig. Die als Gründerorganisationen der Filmakademie zeich-nenden Berufsverbände erachten es heute möglich, das Nominationsverfahren wie geplant durchzuführen und bürgen für die notwendige Akzeptanz und Unterstützung durch die Branche, sofern das Bundesamt für Kultur seinen finanziellen Beitrag zugunsten des Schweizer Filmpreises (gemäss Departementverordnung des EDI über die Filmförderung) im selben Rahmen wie in den Vorjahren leistet.

Für die unter dem Dach von Cinésuisse zusammengeschlossenen Verbände ist nicht einsichtig, weshalb das seit Jahresfrist durch den Chef der Sektion Film des BAK mehrmals öffentlich verlautete und den Partnern des Filmpreises schriftlich bestätigte Einverständnis plötzlich widerrufen werden sollte. Cinésuisse ist dem von BAK, SRG SSR idée suisse und Swiss Films formulierten Anliegen entgegen gekommen, nicht das integrale Academy-System, sondern ab 2009 vorerst ein zweistufiges Modell (Nominationen durch die Filmakademie, Ermittlung der Gewinner durch eine Jury) einzuführen. Die an einer gemeinsamen Sitzung vom 6. Juni vom BAK für 2010 in Erwägung gezogene Übergabe des Schweizer Filmpreises an die Filmakademie unter gleichzeitigem Rückzug des Bundes entspricht weder den getroffenen Abmachungen noch den Interessen der Schweizer Filmbranche.

Mit der Filmakademie, der „Langen Nacht der Nominationen“ an den Solothurner Filmtagen und der von der SRG SSR idée suisse organisierten Preisverleihungsgala in Luzern bricht der Schweizer Filmpreis zu neuen Ufern auf. An der Pressekonferenz vom 23. Januar 2008 in Solothurn bekräftigten die institutionellen Partner und die Branche ihren ge-meinsamen Willen, mit diesen ab 2009 eingeführten Neuerungen den Filmpreis als Promotionsinstrument für das Schweizer Filmschaffen zu stärken und ihm eine neue Ausstrahlungskraft im Inland und über die Grenzen hinaus zu verleihen.

Die der Gründung der Filmakademie zugrunde liegenden Dokumente (Statuten, Nominations-Reglement), die dem Bundesamt für Kultur seit Ende 2007 vorliegen, stellen eine solide Grundlage für das neue Nominationsverfahren dar. An der Gründerversammlung vom 24. Juni sind nun die Organe der Akademie bestellt worden: Fredi M. Murer wurde als erster Präsident der Filmakademie gewählt, die Vorstandsmitglieder sind die Regisseur/innen Fulvio Bernasconi (TI), Jean-Stéphane Bron (VD), Stefan Haupt (ZH), Patricia Plattner (GE), der Regisseur und Produzent Samir (ZH), der Schauspieler Gilles Tschudi (ZH/GE), der Produzent Peter Beck (ZH), die Verleiherin Bea Cuttat (ZH), die Kinofrau Romy Gysin (BS) sowie der Direktor der Solothurner Filmtage Ivo Kummer. Als Generalsekretärin der Akademie wurde Jris Bischof gewählt. Die erste Versammlung der Akademiemitglieder findet am 7. August anlässlich des internationalen Filmfestivals in Locarno statt.